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Zeitliche Verdeckung von Geräuschen

Die zeitliche Maskierung oder Verdeckung beschreibt den Effekt, dass man z.B. ein leises Geräusch nicht mehr hört nachdem man ein lautes gehört hat. Die meisten von euch kennen dies wahrscheinlich (zeitliche Nachverdeckung), aber wusstet ihr, dass dieser Effekt auch vorher eintritt (zeitliche Vorverdeckung)? Wie kann unser Gehirn wissen, wann er ein Geräusch ignorieren kann, weil kurze Zeit darauf später ein lauteres kommen wird. Zauberei? Oder kann unser Gehirn in die Zukunft schauen?

Die zeitliche Vormaskierung passiert etwa 50ms vor einem lautem Geräusch. Man hört also nichts leies 50ms (oder vielleicht mehr?) vor einem lautem Geräusch. Aber woher weiß unser Gehirn, dass es den leisen Ton ignorieren kann, wenn das laute Geräusch noch gar nicht entstanden ist? Ich habe zum ersten Mal von diesem Effekt in der Vorlesung von Prof. Möllers Vorlesung “Sprachkommunikation” letzte Woche gehört. Leider konnte er aber nicht erklären, wie dieser Effekt zustande kommt. Er meinte, dass es mit der Verarbeitungszeit zu tun hat, die wahrscheinlich diese 50ms ausmacht. Da aber ein leiser Ton kurz vorher ebenfalls unhörbar ist, scheint das nicht zu stimmen.

Heute saß ich in der Vorlesung “Kommunikationsakustik” und es kam wieder diese Problematik auf. Als die Diskussion wieder ins Leere ging, kam mir der Gedanke von einem Modell, der diesen Effekt erklären könnte.

Für die Erklärung muss man erst einmal wissen, dass das Ohr wie ein ADU (Analog-Digital-Umsetzer) arbeitet. Es sendet ein Signal aus, sobald es ein Ton mit einer bestimmten Frequenz bekommt. Laute Töne erwirken entsprechend mehr Signale. Da aber Signale theoretisch unendlich kurz sind und wir aber einen kontinuierlichen Ton hören, zählt das Gehirn die Anzahl der Signale (integriert) über 200ms und sagt einem dann wie laut man gehört hat. Dies gilt natürlich nur für Geräusche mit geringer Lautstärke. Man stelle sich also ein Kind vor, dass einem alle 200ms sagt, wie viel Signale es gezählt hat. Was aber passiert nun bei einem lautem Geräusch? Nehmen wir als Beispiel einen lauten Ton, dass 1000 Signale auslöst. Jetzt kann das Kind aber nur bis 100 zählen, also wird es dir Bescheid sagen, sobald es 100 gezählt hat und von vorne wieder zählen (buffer overflow), aber einem sofort Bescheid sagen, obwohl die 200ms noch nicht um sind! Jetzt kann sofort auf das Geräusch fast ohne Verzögerung reagieren.

Jetzt muss man sich vorstellen, dass 50ms evor dem lautem Ton ein leiser Ton zu hören war, das nur 5 Signale auslöst. Das Kind zählt die 5 und wartet nun 200ms ab, bevor es dir Bescheid sagt. Jetzt kommt aber 50ms später der laute Ton mit 1000 Signale. Das Kind wird nun 95 von dem lautem zählen und da es nun bis 100 gezählt hat, sich bei einem melden. Jetzt weiß du wann der laute Ton kam (genau dann als das Kind zu einem kam), aber die Information, dass 5 Signale von dem leisen Ton davor sind gehen verloren.

So stelle ich mir vor wie die zeitliche Vormaskierung funktioniert. Soweit ich weiß, gibt es noch keine wissenschaftliche Erklärung für dieses Phänomen, aber ich würde mich freuen wenn ihr zeigen könntet, dass ich falsch liege.

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2 Responses to “Zeitliche Verdeckung von Geräuschen”

  1. Astrid:

    HAllo Qianqin,
    im Rahmen meiner Diplomarbeit habe ich mich mit psychoakustischen Phänomenen auseinandergesetzt, unter anderem auch mit der Vorverdeckung. Das Ohr kann selbstverständlich nicht „in die Zukunft hören“. Man kann diesen Effekt verstehen, wenn man dem Innenohr eine Zeitspanne zum Aufbau der Signale einräumt. Dieser Vorgang wird bei höheren Frequenzen schneller ablaufen als bei niedrigeren. Nur im Zeitabstand 20 ms kann ein Zusammenhang zwischen den Signalen festgehalten werden.
    ICh hoffeich konnte dir ein bisschen helfen.
    LG
    Astrid

  2. Berta:

    Wird dieser Vorgang des Signalaufbaus auch bei höheren Lautstärken schneller ablaufen als bei niedrigeren?

    würd mich über eine Antwort freuen

    berta_heide AT hotmail.com

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