Subwoofer für den VW Lupo
Dass für guten Sound kein Subwoofer fehlen darf, ist allgemein bekannt. Leider haben Subwoofer die schlechte Eigenschaft, viel Platz zu brauchen. Was macht also nun in einem kleinem Auto wie meinem Lupo, wenn man guten Sound haben will und noch möglichst wenig Geld ausgeben möchte?
Es gibt 3 gängige Methoden dieses Problem zu lösen:
- Normalen Subwoofer inkl. Gehäuse kaufen und in den Kofferraum stellen. – Hat aber den Nachteil dass man kaum noch Platz im Kofferraum hat.
- Fußraum Subwoofer konstruieren. – Nimmt dem Beifahrer Platz weg und macht die Fahrt unangenehm für diesen.
- Reserverad-Subwoofer konstruieren. – Quasi unsichtbar, aber man hat dann kein Reserverad mehr.
Methode 1 ist nicht möglich, da ich den Kofferraumplatz brauche. Genauso fällt Methode 2 weg, da der Beifahrer ebenfalls sein Platz braucht. Methode 3 scheitert ebenfalls, da ich nicht auf mein Reserverad verzichten kann. Was nun?
Nach einigem Surfen bin ich in einigen Foren auf Einträgen von Leuten gestoßen, die sich einen doppelten Boden im Kofferraum gebaut haben, um deren Endstufe zu verstauen. Da meine Endstufe (Audio System Twister F4-260) unterm Beifahrersitz liegt, könnte ich doch einen doppelten Boden als Subgehäuse nutzen! Man müsste den nur so konstruieren, dass man ihn nicht sieht und er trotzdem noch genug Volumen für einen kräftigen Bass hat.
Zuerst also den Kofferraum ausgemessen. Da beim Lupo die umgeklappte Rückbank 7cm über den Kofferraumboden ragt, war mein Plan klar: Das Subwoofergehäuse darf nur 7cm hoch sein. Dadurch wäre er normalerweise praktisch unsichtbar und würde bei umgeklappter Rückbank endlich eine ebene Ladefläche bieten!
Als nächstes ging es ans Planen, Recherchieren und Rechnen. Da man für Subwoofergehäuse am besten MDF (MittelDichte Faserplatte) Holz nehmen sollte mit einer Mindestdicke von 19mm, habe ich natürlich das gewählt. Der Quadratmeter kostet bei Bauhaus hier in Berlin € 12,45 im Zuschnitt. Wie praktisch dass man für das gesamte Gehäuse nur etwa 1,1m² braucht, also knapp € 14. Mit Holzleim und Gitter kommt man also auf unter € 20 für das Gehäuse.
Zuerst habe ich ein Subwoofer gesucht, welches kaum Einbautiefe hat, gut klingt, kaum Volumen braucht und gleichzeitig noch günstig ist. Dank eines Tipp im car-hifi-audio Forum bin ich auf die Exact! Audio WCA 178 Subwoofer gestoßen (die gibt es z.B. sehr günstig bei caraudio-store.de). Da diese nur 18cm im Durchmesser haben, müssen 2 her, um überhaupt genug Membranfläche für ordentlichen Bass zu haben. Nun muss das Gehäuse nur noch so gebaut werden, dass 2 von den Subs reinpassen. Und selbst mit 2 kommt man weitaus günstiger als ein vergleichbaren 25cm Subwoofer, der die selbe Leistung bei gleicher Klangqualität bietet. (Zu meiner Zeit haben sie pro Stück € 69 gekostet)
Also auf zur Konstruktion! Schließlich mussten 2 Subs in das Gehäuse, wobei die Fläche über den Subwoofer weiterhin beladbar sein muss. Keine leichte Herausforderung, aber machbar. Man muss auf einiges achten, wie z.B. dass noch genug Platz über den Subs ist, damit diese nicht an das Gitter darüber kommt. Durch das Herabsetzen der beiden Subs verliert man nochmal Höhe, was schon so knapp ist. Schließlich sollen die Subs ja auch noch reinpassen. Da 7cm allein natürlich weder genug Höhe noch Volumen für den Subwoofer bietet, muss das Gehäuse noch etwas in die Reserveradmulde ragen – Natürlich nur soviel dass man weiterhin das Reserverad mitführen kann.
Nachdem langem Planen dann endlich der fertige Plan. Hier ist die Einkaufsliste für 19mm MDF Holz (für Zuschnitt):
- 2x 940mm x 390mm (Deckel und Boden)
- 940mm x 32mm (Wand hinten)
- 2x 352mm x 32mm (Wand links und rechts)
- 438mm x 238mm (Subwoofer Halter versenkt)
- 462mm x 181mm (Boden versenkt 1)
- 462mm x 62mm (Wand vorne Mitte)
- 500mm x 49mm (Wand hinten versenkt)
- 169mm x 32mm (Wand vor rechts)
- 2x 311mm x 30mm (Wand versenkt links und rechts)
- 309mm x 32mm (Wand vorne links)
- 500mm x 149mm (Boden versenkt 2)
Puzzelt man die Holzausschnitte nun zusammen, erhält man ein Gehäuse mit 15,4l. Hier muss man natürlich noch das Eigenvolumen der Chassis (Subwoofer) abziehen, welches jeweils bei ca. 0,55l liegt. Man hat also nun effektiv gut 14l, mit denen man gut arbeiten kann. Empfohlen werden für die 2 Subs mindestens 12l, von daher passt das Gehäuse wunderbar.
Da ich wissen wollte, wie das Ganze am Ende in etwa klingt, habe ich natürlich die Chassis simuliert. Dafür habe ich das Tool BassCADe von K. Föllner verwendet. Das Ergebnis ist auf dem ersten Blick nicht sehr erfolgsversprechend, doch sollte man beachten, dass dies eine Freifeldsimulation ist. Im Auto herrscht der Druckkammereffekt bei Bassfrequenzen, welches einen natürlichen (aber auch leider etwas unsauberen) Bassboost mit bis zu 12 dB bringt! Würde man bei der Simulation ein lineares Ergebnis bekommen, so würde im Auto alles nur noch dröhnen.
Jetzt muss man das ganze nur noch zusammenbauen. Dabei ist die 3D-Zeichnung des Gehäuses sehr hilfreich, da man super schauen kann was wo hingehört und wo was noch ausgesägt werden muss. Dafür habe ich Google SketchUp verwendet, ein sehr einfach zu bedienendes Modellierungsprogramm.
Nachdem ich nun alles eingekauft habe, geht es ans Bauen des Gehäuses. Ich hatte zuerst Sorgen, dass der Holzleim die schweren Holzplatten nicht halten werden. Nach einigen Zieh- und Rütteltests fand ich aber heraus, dass der Leim unglaublich fest klebt. Besonders bei einer Stelle, wo ich mich verklebt habe. Ich habe die Platten nicht mehr auseinander bekommen, egal wie stark ich gezogen habe.
Da 3 Platten noch weiter zugeschnitten werden müssen(siehe 3D-Zeichnung), sollte man selbst oder Freunde von sich gut mit Werkzeugen umgehen können. Nach dem Aussägen muss nur noch alles verklebt werden. Das verleimen ist nicht sonderlich schwer, man sollte nur darauf achten, nicht die verkehrten Stücke zu nehmen, da einige doch relativ ähnlich sind in ihren Maßen. Nachmessen hilft immer. Nach dem Kleben kommt der schwerste Teil des Gehäusebaus: Das Gitter. Da das Gitter auch als Ladefläche konzipiert ist, muss es eben mit dem Holz sein. Damit es aber trotzdem noch fest bleibt und nicht wackelt, reicht es nicht das Gitter nur zurecht zu schneiden. Es müssen die Kanten umgebogen werden, damit diese den gewünschten Halt geben.
Es gibt 2 Möglichkeiten das Gitter zu biegen. Methode 1 ist sieht man oben. Man biegt das Gitter etwas vor und arbeitet dann mit den Hammer weiter. Das dauert zwar eine Weile, aber man erhält einen sehr schönen 90° Winkel. Methode 2 ist einfacher zu Handhaben, aber leider nicht so schön im Endprodukt. Hierfür nimmt man eine Rohrzange und biegt langsam Stück für Stück das Gitter. Man sollte aufpassen dass man das Gitter immer nur ein kleines Stück nach oben biegt, sonst wird es sehr leicht schief.
Nachdem man das Gitter dann in den gewünschten Maßen hat (400mm x 200mm x 19mm), muss man es in das vorgesägte Loch am Deckel das Gehäuses platzieren. Wenn es nicht ganz genau passt, wie z.B. bei mir, dann einfach Hammer und Meißel nehmen und es passend machen. Natürlich nur ganz vorsichtig, um nicht das ganze Gitter zu verbiegen. Hat man es passend drin, braucht man nur noch die Kanten leicht in das Holz zu drücken. Damit hält es schon und kann nicht mehr beim Bass mit vibrieren. Um die Fläche beladbar zu machen fehlt allerdings noch eine Stütze in der Mitte.
Hat man alles dann befestigt, sieht man ein sehr schickes Gitter. Leider nur etwas sehr aufwändig verglichen mit dem Rest des Gehäuses. Einfacher wäre natürlich einfach das Gitter oben drauf zu schrauben, dann ist die Gehäuseoberfläche aber nicht mehr perfekt eben.
Jetzt kann man sich entscheiden ob man einen Anschluss am Gehäuse haben möchte oder nicht. Falls ja, so sollte man sich einen besorgen beim Fachhändler oder bei eBay. Falls nein, so bohrt man einfach ein kleines Loch rein und führt die Kabel durch und klebt es anschließend wieder dicht. Wenn man sich für einen Anschluss entschieden hat, sollte man darauf achten, dass man nicht viel Platz hat. 32mm Durchmesser maximal stehen nur zur Verfügung. Auf meinem Foto sieht man einen 4 poligen Anschlussterminal mit 30mm Durchmesser von Sinus Live. 2 Pole würde aber völlig reichen, bei mir sind beide Subs nur an zwei der vier Pole angeschlossen. Man sollte beim Anschrauben der Chassis und beim fest kleben des Subwoofer Halters an den Deckel darauf achten, dass die Chassis genau über der unteren Lücke ist. Ich habe es leider zu spät gemerkt, dass ich 1cm daneben geklebt habe und musste am Boden noch etwas Holz wegfeilen.
Jetzt muss man das ganze nur noch zusammen kleben oder schrauben. Bei der Schraubvariante kann man das Gehäuse später wieder öffnen, ich habe mich aber für die Klebvariante entschieden, da sie besser abdichtet. Ich habe noch alles schwarz angesprayed, damit es noch unauffälliger wirkt am Ende. Anschließend nimmt man die alte Kofferraummatte und schneidet die Rückseite mit einem Cutter auf und entfernt die Bretter. Dann muss nur noch ein Loch in die Matte geschnitten werden, wo die Subwoofer sind. 2 runde Löcher sehen bestimmt besser aus als ein großes Rechteck, aber da ich leider keine Kreise schneiden kann, ist es bei mir ein Rechteck geworden. Anschließend klebt man alles einfach mit Holzleim am Gehäuse fest. Was zuviel ist, wird einfach abgeschnitten.
Es kann sein, dass beim reinlegen des Gehäuses es nicht richtig passt. Man sollte auf keinen Fall mit Gewalt rangehen sondern eher mit Hammer und Meißel die Stellen etwas dünner machen, wo es klemmt. Immer wieder probieren, bis es perfekt sitzt. Das Endprodukt ist wie man es haben will: Absolut unauffällig, ohne merklichen Platzverlust und trotzdem tiefer Bass. Die exact Audio WCA 178 setzen genau da an, wo die Kickbässe vom Frontsystem aufhören. Jetzt kann ich endlich Musik im Auto genießen.
Die gesamten Kosten für den Subwoofer belaufen sich auf €172, wobei man meist günstiger kommt, da man vieles schon zu Hause hat:
- 2x exact Audio! WCA 178-8 (€ 138)
- Holz (€ 14)
- Gitter (€ 3)
- Leim (€ 3, hatte ich bereits)
- Anschlussterminal (€ 3)
- 4m Kabel mit 4qmm (€ 4, hat man evtl. zu Hause)
- Spraydose mit schwarzer Farbe matt (€ 6, optional)
- 8 Schrauben zur Befestigung der Chassis (€1, hatte ich bereits)
Hier mein gesamtes Soundsystem im Auto:
- Sony MP3-CD Radio (war bereits beim Auto dabei)
- VW Lupo Original Hochtöner (klingen im Hörbaren Bereich genauso wie die MX von Audio System)
- Audio System MX 165 Plus Mitteltöner (gebraucht € 50 bei eBay)
- Audio System Twister Endstufe F4-260 (gebraucht € 80 von privat)
- 2x exact Audio! WCA 178-8 als Subwoofer (neu € 138 von caraudio-store.de)
Ich weiß gar nicht, wie ich es so lange ohne Subwoofer im Auto ausgehalten habe. Wenn Du dich entscheidest das Gehäuse nachzubauen, würde ich mich freuen, wenn Du mir ein Foto von deinem fertigem Gehäuse schicken würdest.


hey,
das ganze hört sich ja super an,
wie sind die beiden kleinen exact woofer denn vom klang ? haben die etwas “druck”, also hört man das ein subwoofer im kofferraum arbeitet ? bin auch auf der suche nach einem subwoofer für ein sehr kleines gehäuse wegen platzmangel
gruß Morphe
Die haben schon Druck (bei dem kleinen Innenraumvolumen vom Lupo auch nicht schwer). Man merkt, dass da ein Subwoofer im Auto ist. Sehr viel ist es aber nicht, reicht aber alle mal zum Musik genießen.
Seitdem ich den Sub habe, höre ich irgendwie auch, dass CDs viel mehr Bass haben als Musik aus dem Radio.
Hey ich hab en subwoofer mit gehäuse würde es aber auch gerne umbauen so wie du!? nun ist die frage ich hab en woofer mit 30 cm durchmesser welches volumen brauch ich da oder wie baue ich das”!?
mfg stefan
Hi Stefan, das Gehäuse wird nur mit den hier angegebenen Subwoofer funktionieren. Ein 30cm Subwoofer würde gar nicht erst reinpassen.
Das Ding werd ich 1zu1 nachbauen. Geile Anleitung! Wenn ich mal fertig bin mach ich dann auch Bilder. Genau das hab ich gesucht